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| Heitere Leidensgeschichten |
| Nach einer Pilzvergiftung vor 15 Jahren hätte es um ein Haar aus sein können mit Bernd-Ingo Friedrich. Doch der heute 58-Jährige aus Weißwasser tingelte jahrelang von Krankenbett zu Krankenbett, musste sich erst die Leber, dann die Niere transplantieren lassen, und beschloss, fortan nur noch zu schreiben. In seinem neuesten Buch erzählt er von dieser schmerzhaften und qualvollen Leidenszeit. Ein wehleidiger Betroffenheitsbericht ist es deshalb aber noch lange nicht. |
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Schon die Umschlaggestaltung des 72-seitigen Bandes verrät: Bernd-Ingo Friedrich gehört nicht zu denjenigen, die auf die Tränendrüse drücken, sobald es um das Thema Krankheiten geht. Ganz im Gegenteil, mit Humor, Sprachwitz und Sarkasmus versucht der Weißwasseraner das »Leiden« in seiner Vielfalt zu erfassen.
Der Schwerpunkt des autobiografischen Buches liegt auf seinen Erfahrungen im Krankenhaus. Was er in den Kliniken von München, Berlin und Weißwasser erlebt hat, ist im Grunde kaum zu beschreiben. Dennoch versucht er, das Groteske in Worte zu fassen. Und was dabei herauskommt, ist überaus unterhaltsam: Das Krankenhaus wird zu einer bizarren Kulisse. Der Ich-Erzähler zu einem hilflosen Gefangenen.
Mit Medikamenten vollgepumpt, glaubt Friedrich zuerst, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Als er irgendwann realisiert, dass die Gestalten um ihn herum doch Menschen sind, wittert er eine Verschwörung gegen sich. Panik macht sich breit. Nun befürchtet er, Organhändlern ins Netz gegangen zu sein. Immer mit einem selbstironischen Unterton erzählt, schmiedet er
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| Bernd-Ingo Friedrich mit kränkelnder Katze |
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daraufhin einen Fluchtplan nach dem anderen. Natürlich scheitern sie alle.Aus der Ich-Perspektive eines Betäubten gibt der Autor zunächst dem Gefühl des Ausgeliefertseins viel Raum. Daraufhin beschreibt er, wie Halluzinationen die seltsamsten Zusammenhänge entstehen lassen. Durch den Schmerz auf der einen und die Psychopharmaka auf der anderen Seite erscheint ihm die Welt vollkommen anders. Alles kommt durcheinander. Nichts passt zusammen. Kleinigkeiten werden plötzlich bedeutsam. Als er beispielsweise die Nähte auf seiner Bauchdecke erblickt, ist er felsenfest überzeugt: »Die probieren an mir das Tackern aus!«
So verwirrend dieser Zustand für den Patienten ist, so herausfordernd ist dies streckenweise auch für den Leser. Denn Friedrich verzichtet auf die übliche Absatzgestaltung. Stattdessen reiht er, lediglich durch Querstriche unterbrochen, die Gedanken stilistisch so aneinander, dass unaufhaltsam die verschiedenen Eindrücke auf den Lesenden einströmen. Das kann vor allem zu Beginn der Lektüre irritierend wirken. Dennoch huscht einem immer wieder ein Grinsen übers Gesicht. Denn wie sich der Hauptdarsteller in die einzelnen Situationen hineinsteigert, sie aus seiner verzerrten Wahrnehmung heraus bewertet und für sich genommen äußerst logisch weiterdenkt, - das alles kommt überaus komisch daher und ist sprachlich ein wahres Vergnügen.
Mit dieser unerwartet amüsanten Erzählweise wird Friedrich sicher ein breites Lesepublikum erreichen. Möglicherweise sind darunter auch Menschen, denen es ähnlich geht, die auf einer Krankenstation liegen und jeden Tag mit dieser grotesken Unwirklichkeit kämpfen. Dem Autor jedenfalls gefällt die Vorstellung, mit seinen Anekdoten Leidensgenossen Mut zu machen.
Und wer weiß, wo Friedrichs heitere Leidensgeschichten einmal landen. Gewiss nicht nur als Bestseller im Krankenhaus-Kiosk.
Von Melanie Sonnenbrodt
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| Autor: Bernd-Ingo Friedrich |
| Titel: Ein gutes Dutzend Leidensgeschichten von Isar, Spree und Neiße plus zwei Minis und vier Bonüsse |
| Umschlaggestaltung: Meinhard Bärmich, Satz: Brigitte Duhra |
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| ISBN: 978-3-86929-012-6, Preis: 8 Euro |
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